Unser Selbstverständnis

Ob wir Angehörige im Krankenhaus haben, im Krankenhaus arbeiten oder vielleicht selber ins Krankenhaus müssen: Wir erwarten zu Recht, dass dort alles für eine gute, gesundheitsfördernde und sichere Versorgung und gute Arbeitsbedingungen getan wird. Wer es erlebt hat, weiß auch, wie bemüht und engagiert die Beschäftigten im Krankenhaus sind. Dennoch ist die Wirklichkeit eine ganz andere als die berechtigten Ansprüche es erwarten lassen.

Krankenhäuser sind gefährlich

Nach Schätzungen des bundesweiten Aktionsbündnisses Patientensicherheit sterben in 0,1 Prozent der Krankenhausfälle Patientinnen durch vermeidbare Fehler. Bei 19,2 Mio. Behandlungen im Krankenhaus im Jahr 2015 sind das ca. 19.200 Menschen. Zum Vergleich: Die Zahl der Verkehrstoten betrug im selben Jahr 3.475. Das heißt: Die Zahl der vermeidbaren Todesfälle im Krankenhaus ist mehr als fünfeinhalb mal so hoch.

Personalabbau der letzten 20 Jahre

In der Zeit von 1995 bis 2015 wurden über 30.300 Pflegekräfte (Vollzeitstellen) in den Krankenhäusern Deutschlands abgebaut. Das macht ein Minus von ca. 8,7 Prozent. In der gleichen Zeit ist die Belastung der Pflegekräfte um fast ein Drittel (ca. 32 Prozent) gestiegen, gemessen an der Zahl der zu versorgenden Patientinnen. Ver.di stellte 2013 fest, dass bundesweit 162.000 Vollzeitstellen fehlen. Das sind 4.200 für Hamburg.

Hamburg

Die Ursachen sind eng verbunden mit den Privatisierungen, von denen insbesondere Hamburgerinnen ein Lied singen können. 2004 wurden die öffentlichen Krankenhäuser gegen den Willen der Mehrheit der Wählerinnen für ein Butterbrot verkauft. Unter den Folgen dieser politischen Entscheidung leiden wir heute. Und obwohl die Krankenhäuser im Besitz privater Klinik-Konzerne sind, bekommen sie jedes Jahr hunderte Millionen aus dem Stadtsäckel für Investitionskosten. Dafür weisen die Quartalsberichte dann auch regelmäßig hübsche Gewinne aus. Welchen Anteil der Einnahmen die Krankenhausträger für Personal ausgeben, bleibt im Rahmen der unternehmerischen Freiheit ganz ihnen selber überlassen.

Personalkapazität und Schäden für Patientinnen

Wissenschaftliche Studien zeigen, was wenig überrascht: Je geringer die Zahl der Pflegekräfte ist und umso unzureichender sie ausgebildet sind, desto größer ist das Risiko, als Patientin einen Schaden davonzutragen. Das ist gut untersucht und belegt z.B. für die Risiken, einen Harnwegsinfekt zu erleiden, sich im Krankenhaus eine Lungenentzündung zu holen, eine Wundinfektion zu bekommen oder gar in der Zeit bis zu 30 Tagen nach der Aufnahme im Krankenhaus zu sterben.

Schwester Stephanie kann nicht mehr

Berichte von Pflegekräften untermalen diese dürren Zahlen anschaulich. Oft ist für die eigentliche Pflege keine Zeit mehr, teilweise kann nicht mal mehr das eben Lebensnotwendige getan werden. Angesichts dessen sind die Pflegeförderprogramme der Bundesregierung ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie bringen pro Krankenhaus vielleicht drei bis fünf Pflegekräfte mehr. Das reicht nicht einmal, um die schlimmste Not zu lindern. Pflegende sind am Ende ihrer Kräfte.

Aber es regt sich Widerstand. In der Berliner Charité haben Beschäftigte mit der Gewerkschaft ver.di und der Unterstützung eines Bürgerbündnisses den ersten Tarifvertrag mit verbindlicher Personalbemessung erkämpft. In anderen Bundesländern sind solche Bündnisse auch schon auf dem Weg.

Wer wir sind und was wir wollen

Wir sind Verbände, die die Interessen von Patientinnen und Beschäftigten vertreten, wir sind Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen mit verschiedenen Auffassungen zu gesundheitspolitischen Fragen, aber einig in der Überzeugung, dass dringend gehandelt werden muss.

Neue Studien haben Deutschland mit anderen europäischen Ländern verglichen und kommen zu dem Schluss, dass mindestens 100.000 Pflegekräfte in deutschen Krankenhäusern fehlen (http://www.boeckler.de/pdf/p_fofoe_WP_027_2017.pdf).

Sowohl im Interesse der Patientinnen als auch der Pflegekräfte müssen schnell deutlich mehr Stellen geschaffen werden. Weiteres Abwarten und langwieriges „Prüfen“ ist nicht zu verantworten. Deshalb haben wir uns zusammengeschlossen.

Wir können etwas tun: Unterschriften sammeln, Leserinnenbriefe schreiben, verantwortliche Politikerinnen und Gremien aufsuchen, Pflegekräfte bei ihren Aktionen unterstützen, uns mit anderen Ländern und Bündnissen vernetzen und vieles mehr. Dafür werden Viele gebraucht, die mitmachen.

Wir rufen alle auf, sich mit uns gemeinsam für klare gesetzliche Vorgaben für Personalbemessung und Qualifizierung im Krankenhaus einzusetzen. Welche Haltungen uns im Einzelnen unterscheiden mögen, soll dabei keine Rolle spielen. Nur wer sexistische, rassistische oder andere  feindselige Haltungen gegenüber Menschengruppen vertritt, hat bei uns keinen Platz.

Das Bündnis