Tag der Pflegenden: Rote Karte für Privatisierung!

Zum "Tag der Pflegenden" haben wir zusammen mit der Aktion "Groß Sand bleibt!" eine Kundgebung auf dem Rathausmarkt organisiert. Wir thematisierten die Situation in der Pflege nach über einem Jahr Pandemie und die aktuelle Situation des katholischen Krankenhauses Groß Sand in Wilhelmsburg, das von Schließung oder Privatisierung bedroht ist. Gekommen waren 200 Menschen, mehr waren aufgrund der aktuellen Infektionsschutzbestimmungen auch nicht erlaubt.

 

Auf der Kundgebung sprachen Redner*innen aus Groß Sand, von der Hamburger Krankenhausbewegung, vom ver.di Fachbereich 3 und der Poliklinik Veddel. Kritisiert wurden die weiterhin stark belastende Situation in den Kliniken und die fehlenden Verbesserungen seitens der Politik und Klinikbetreiber. Dafür gab es die rote Karte bzw. 200 davon, die bei leicht regnerischem Wetter in Richtung Rathaus (und natürlich in Richtung des Bundesgesundheitsministeriums) erhoben wurden. Thematisiert wurden auch die Kündigungsversuche gegen Romana und Anja im vergangenen Winter, die erfolgreich abgewehrt werden konnten (bei Anja geht es allerdings evtl. in die Berufung), die aber symptomatisch sind für den Umgang privater Konzerne mit Kritik an den Arbeitsbedingungen, Betriebsratsarbeit und gewerkschaftlichen Organisierungsversuchen. Die Poliklinik Veddel machte auf die ungleiche Belastung von Stadtteilen und sozialen Gruppen durch Covid-19 aufmerksam.

 

Zur Situation von Groß Sand sprachen Vertreter aus dem Stadtteil, der Belegschaft und einem Hafenbetrieb. Aktuell lässt das Erzbistum Hamburg die Menschen weiterhin im Dunkeln, was mit der Klinik, die aufgrund roter Zahlen verkauft werden soll, passieren wird. Laut einem Bericht im Hamburger Abendblatt hat Asklepios kein Interesse an einer Übernahme, weiter heißt es: "Hamburger Experten sagen: Es gibt keinen Übernehmer mehr, kirchliche oder frei-gemeinnützige Träger wollten das Haus nicht. Andere sagen: Es gebe noch genau einen Interessenten – eine renditeorientierte Gesellschaft." Zu befürchten steht also weiterhin entweder die komplette Schließung der Klinik oder ihre Privatisierung und ein damit einhergehender Abbau der Grund- und Notfallversorgung zugunsten einer profitableren Spezialisierung. Oskar Tröger, Gesundheits- und Krankenpfleger in Groß Sand, wies in seiner Rede auch auf die bereits letztes Jahr erfolgte Schließung der Krankenpflegeschule hin, kritisierte die mangelnde Transparenz in der Kommunikation seitens des Trägers und wies auf die für die Beschäftigten belastende Situation der Ungewissheit hin. Nichtsdestotrotz hat sich im April eine ver.di-Betriebsgruppe im Krankenhaus gegründet, auch um sich für kommende Entwicklungen zu wappnen. Manuel Humburg von der Aktion "Groß Sand bleibt!" und dem Verein Zukunft Elbinsel betonte die Bedeutung einer wohnortnahen Klinik für einen Stadtteil wie Wilhelmsburg, wo die gesundheitlichen Gefahren und Belastungen besonders hoch sind.

 

Gemeinsam mit den Kolleg*innen aus Wilhelmsburg fordern wir deshalb den Erhalt und die Übernahme durch einen gemeinnützigen Träger - die Stadt ist hier in der Verantwortung aktiv zu werden, etwa durch ein Übernahmeangebot seitens des UKE! Vor diesem Hintergrund hatten wir sowohl das Erzbistum eingeladen als auch Politiker*innen, u.a. aus der rot-grünen Regierungskoalition, und diese gebeten, zur Situation von Groß Sand Stellung zu nehmen und zu erklären, was sie für den Erhalt und die Abwendung einer Privatisierung tun werden. Während sowohl das Erzbistum als auch die Sozial- und Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) uns eine Absage erteilten, waren mit Peter Zamory (Grüne) und Deniz Celik (LINKE) zwei Bürgerschaftsvertreter vor Ort und erläuterten ihre Positionen.

 

200 rote Karten der Anwesenden machten abschließend deutlich: Es darf keine Schließung oder Privatisierung von Groß Sand geben! Wir werden uns gemeinsam mit anderen Initiativen, der Belegschaft und der Stadtteilbevölkerung weiterhin für den Erhalt des Krankenhauses und eine gemeinnützige Orientierung einsetzen.

 

Presse- und andere Berichte:

Hamburger Abendblatt: "Rettet die Klinik!" (15.5.2021)

Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg e.V.: "Zum `Tag der Pflege´: Städtische Trägerschaft für das Krankenhaus Groß-Sand durchsetzen!" (14.5.2021)

Hamburger Abendblatt: "Demonstranten fordern Erhalt von Krankenhaus Groß Sand" (13.5.2021) (als PDF)

Almanyalilar: "Hemsireler Günü Hamburg´da Protestolarla Kutlandi" (13.5.2021)

NDR: "Protest zum Internationalen Tag der Pflegenden in Hamburg" (12.5.2021)

Hamburger Abendblatt: "Krankenhaus Groß Sand: Muss am Ende der Papst eingreifen?" (12.5.2021)

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