Intensivpflege am UKE: "Ich. Kann. Nicht. Mehr."

Die Intensivpflege im UKE schlägt seit Monaten Alarm. Auch der dritte Erfahrungsbericht, den wir veröffentlichen, betont die enorme Überlastung der Beschäftigten: "Wann habe ich das letzte Mal jemanden lächeln gesehen? Wann war der letzte Dienst, in dem ich alles Nötige, alles für die Patienten notwendige geschafft habe?"

 

Wecker klingelt. Aufstehen. Alles tut weh. Meine Seele ist wund. Hör auf, nicht nachdenken. STEH AUF! Dienstzimmer: Kollegen völlig erschöpft. Wann habe ich das letzte Mal jemanden lächeln gesehen? Überall bimmelt es, Chaos. Während der Übergabe bestätigt sich, was ich seit dem Betreten der Station wusste: Wir werden nur einen Bruchteil des Nötigen schaffen.

 

Bleibe bei dem deliranten, fixierten Patienten hängen, der trotz Handfixierung seinen Stuhlgang verteilt hat: im Bett, auf der Wäsche und in seinen Wunden. Er hat einen Teil seiner Verbände abgerissen, ich versuche, ihn zu reorientieren. Im Bett nebenan beginnen Monitor, Beatmung- und Dialysegerät zu bimmeln. Sauerstoffsättigung fällt. Zusätzlich zum Alarm-Bimmeln rufe ich um Hilfe. Keiner kommt. Im Arztzimmer ist der Ton am Zentralmonitor aus, Tür zu, da sie gerade Übergabe machen.

 

Ich liege mit den benutzten Handschuhen und Schürze auf dem Patiente und rufe lautstark nach Hilfe. Versuche, den völlig verschleimten Patienten abzusaugen, halte ihm mit voll aufgedrehtem Sauerstoff den Ambubeutel vor das Gesicht. Endlich kommt eine Kollegin. Sie drückt die Notfallklingel, dann kommen auch die Ärzte. Erneut gehe ich zu meinem deliranten, kotverschmierten Patienten. Gebe ihm verspätet seine Antibiose und weitere Medikamente, mache alles sauber. Alleine, da keiner Zeit hat, beim Hochziehen des Patienten zu helfen. Drei Stunden und zehn Minuten im Dienst. Und meinen dritten Patienten haben ich noch nicht einmal gesehen.

 

Wann war der letzte Dienst, der nicht so oder ähnlich war? Wann war der letzte Dienst, in dem ich alles Nötige, alles für die Patienten Notwendige geschafft habe? Wann war der letzte Dienst, in dem alle Wechselintervalle, Hygieneregeln, Lagerungsintervalle, Pflegemaßnahmen eingehalten werden konnten? Und WANN konnte ich mich das letzte Mal um den Patienten als Mensch kümmern?

 

Keiner hat Pause gemacht. Keiner hat gegessen, getrunken, war auf Toilette. Zuhause weine ich in das Fell meiner Katze. Meine Seele schmerzt. Mein Körper schmerzt. ICH. KANN. NICHT. MEHR.

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