Corona-Tagebuch, Tag 4: Testen & Arbeiten

Liebes Tagebuch,

 

entschuldige, dass ich ein paar Tage nicht geschrieben habe. Auf der Arbeit ist grad sehr viel los. Jeden Tag kommen neue Corona-Fälle dazu. Bei unseren Patient*innen, aber auch immer öfter bei den Kolleg*innen. Ich hatte vor drei Tagen auch Kontakt zu einem Patienten, der später positiv getestet wurde. Heute habe ich frei. Als ich von meiner Kollegin erfahren habe, dass dieser Patient positiv getestet worden ist, habe ich im Krankenhaus angerufen um zu fragen, wie ich mich verhalten soll, ob ich vorbei kommen kann um getestet zu werden?! Sie seien nicht zuständig, wenn ich frei habe, haben Sie gesagt - nur wenn ich im Dienst bin. Nur wenn ich im Dienst bin?!? Ja genau, richtig absurd!

 

Im Krankenhaus arbeiten wir übrigens weiter, auch wenn wir Kontakt zu positiv getesteten Personen hatten. Meistens zumindest. Also, so ganz klar und eindeutig ist es nicht. Eigentlich kommt es immer darauf an, was gerade so los ist und wer die Anordnungen macht. Und wenn wir überhaupt getestet werden, arbeiten wir so lange weiter, bis das Ergebnis da ist. Ich jetzt nicht, ich hatte ja frei und deswegen wurde ich vom ärztlichen Notdienst getestet. Nun muss ich bis zum Testergebnis in Quarantäne bleiben. Tja, hätten sie mich in der Klinik getestet, hätte ich weiter arbeiten müssen... 

 

Eine Kollegin von mir, die gerade im Urlaub ist und vorher engen Kontakt mit dem infizierten Patienten hatte, wurde übrigens noch gar nicht über die Situation informiert ... Ganz schönes Chaos, sag ich Dir. Wer soll denn da noch durchblicken?!

 

Deine Agnes

 

 

Zwar wird ein Teil des Krankenhauspersonals in Hamburger Kliniken inzwischen wöchentlich mit Covid-19-Schnelltests getestet. Wann ein verlässlicherer PCR-Test gemacht wird, variiert allerdings enorm, wie das von Agnes geschilderte Beispiel zeigt. Oft sind die Zustänidgkeiten unklar und der Informationsfluss mangelhaft. In anderen Bundesländern sieht es ähnlich aus, Recherchen des Bayerischen Rundfunks zeigten vor kurzem, dass sich die Beschäftigten in bayerischen Kliniken schlecht geschützt fühlen, da es keine einheitlichen Testregeln gebe, sondern diese von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich seien. Als Bündnis fordern wir deshalb klare und vor allem transparente Regelungen zur Testung des Krankenhauspersonals. Klare Zuständigkeiten und Informationsweitergabe. Die Beschäftigten müssen in die Krisenstäbe und damit in die Entscheidungen über diese Regelungen einbezogen werden!

 

Agnes ist Pflegerin in einem Hamburger Krankenhaus. Sie wurde von uns als Kunstfigur erschaffen, um die Erlebnisse vieler Kolleg*innen während der Corona-Pandemie anonym darzustellen. In den folgenden Wochen werden wir in weiteren Einträgen die Erfahrungen aus dem Pflege-Alltag im Krankenhaus sichtbar machen. Das Erzählte wurde so von Pfleger*innen erlebt und fasst zum Teil mehrere Erzählungen zusammen. Alle Namen in den Geschichten wurden von uns geändert. Hast Du auch etwas erlebt, was dringend mal in unserem Tagebuch Gehör finden muss? Dann schreib uns eine Mail an info(at)pflegenotstand-hamburg.de!

  •  Ängry-Nurse_lilla