Umfrage der ZEIT zur Situation in der Pflege

4. Dezember 2017  |  Auf ZEIT-online findet sich eine tolle Umfrage, die alle Pflegekräfte ausfüllen sollten:

Und dazu der passende Artikel als Begründung:

Darin diese aussagekräftige Grafik:

„Dafür habe ich meinen Beruf nicht gelernt“

3. November 2017  |  „Pflege im Zeitalter der Ökonomisierung“ lautete der Untertitel der gestrigen Veranstaltung mit Michael Wunder, bekannt für jahrelange Mitgliedschaft im Deutschen Ethikrat und der Enquete-Kommission „Ethik und Recht der modernen Medizin“ im Deutschen Bundestag, im Hauptberuf leitender Psychologe im Beratungszentrum der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg. Wir wollten mit ihm über die ethische Bewertung der Mangelsituation in der Pflege sprechen und erhofften Hinweise, wie Pflegende mit dem zunehmenden Druck umgehen können – ohne entweder tagtäglich gegen ihr Gewissen handeln zu müssen und gefährliche Pflege zu riskieren oder aber fluchtartig den Beruf zu verlassen, was die Situation für die verbleibenden Kolleginnen noch schlimmer macht.

Wunder erläuterte ausführlich die von ihm mit-erarbeitete Stellungnahme des Deutschen Ethikrates zu diesem Thema, die unter dem Titel „Patientenwohl als ethischer Maßstab für das Krankenhaus“ im April 2016 veröffentlicht wurde und zum kostenfreien Download bereitsteht. In diesem Dokument verbirgt sich hinter wohlgesetzten Worten und vorsichtigen Formulierungen durchaus deutliche Kritik an den vorherrschenden Verhältnissen. Als Leitmotive für die ethische Bewertung werden drei Grundvoraussetzungen benannt, die als Kriterien für gute Pflege im Krankenhaus gelten können:

  • „Die selbstbestimmungsermöglichende Sorge hat die Respektierung und Achtung des Patienten als Person mit eigenen Vorstellungen, Wünschen, Interessen, einer eigenen Geschichte und mit eigenen Rechten zum Ausgangspunkt,“
  • „Die Behandlungsqualität umfasst objektive wie subjektive Elemente; die Ersteren beziehen sich auf Möglichkeiten und Maßgaben der medizinischen Wissenschaften, die Letzteren auf die Zufriedenheit der Patienten mit der Behandlung.“
  • Gerechtigkeit im Sinne von gleichem Zugang zu Krankenhausleistungen und ihrer gerechten Verteilung umfasst sowohl das Gebot der statusindifferenten Gleichbehandlung (equality) als auch das Gebot des fairen und jeweils individuell angemessenen Einsatzes von Ressourcen (equity).“

Werden diese ethischen Grundforderungen als Maßstab genommen, zeigen sich viele Missstände („ethisch relevante Konfliktfelder“):

  • „mangelnde Möglichkeiten für eine angemessene interpersonale Kommunikation in der Arzt-Patient- und Pflegende-Patient- bzw. Therapeut-Patient-Beziehung einschließlich interkultureller Behandlungssituationen“,
  • „die zunehmende Schwierigkeit für die im Krankenhaus tätigen Berufsgruppen, ihre jeweiligen berufsethischen Pflichten umsetzen zu können,“
  • und ähnlich schwierig sei der „gleiche Zugang zu Krankenhausleistungen und ihre gerechte Verteilung insbesondere für Patientengruppen mit besonderen Bedarfen“.

Entsprechend deutlich fallen die Empfehlungen des Ethikrates aus:

  • Bessere Kommunikation soll hergestellt werden, indem der Zeitaufwand im System der Fallpauschalen (DRGs) abgebildet, die Kommunikation ebenso wie jede medizinische Maßnahme zwingend dokumentiert und die Kommunikationskompetenz aller Beteiligten systematisch gestärkt wird.
  • Die Qualifikation der Krankenhausleitungen soll sich nicht jeweils einseitig auf Medizin, Pflege oder Ökonomie beschränken, sondern auch die jeweils anderen sowie weitere Gebiete umfassen.
  • Pflegepersonalschlüssel mit Mindestquoten für vollexaminierte Pflegekräfte sollen entwickelt und regelmäßig überprüft werden, die sich an der Anzahl der zu versorgenden Patienten und ihren Erkrankungen bzw. ihrem Pflegebedarf orientieren.
  • Das System der Fallpauschalen (DRGs) soll differenziert und weiterentwickelt werden, um die groben Härten für bestimmte Patientengruppen abzumildern.
  • Krankheitsbildorientierte Organisationsmodelle sollen als multidisziplinäre Zentren gefördert werden, z.B. Zentren für geriatrische Patienten.
  • Die Zulassung von Krankenhäusern soll sich an transparenten Kriterien für eine primär am Patientenwohl im vom Deutschen Ethikrat dargelegten Sinne ausgerichtete Krankenhausplanung orientieren.

Dass Wunder beim Referieren dieser Veröffentlichung die vorsichtigen Formulierungen des Ethikrates benutzte, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich darin weitgehende, man könnte auch sagen radikale Kritiken und Forderungen verstecken. Zwar wird nicht empfohlen, das DRG-System abzuschaffen (wodurch sollte es auch ersetzt werden?), aber seine Mängel werden benannt. Ob die gegebenen Empfehlungen alle Probleme lösen könnten, mag fraglich bleiben, aber mit den Hinweisen lässt sich schon eine Menge Änderungsbedarf begründen.

Unbefriedigend blieb für manch gewerkschaftlich organisierte Pflegekraft, dass der Referent nicht zum aktiven Widerstand aufrief, sondern eine individuelle „Suchhaltung“ empfahl, um das Spannungsfeld zwischen Ethik und Monetik in der Pflege auszuhalten. Das mag, wie er selber zugab, seinem Beruf als Psychologe und Psychotherapeut geschuldet sein, klang aber realistisch, denn schließlich bewältigen Menschen solche Spannungsfelder ganz unterschiedlich, und eine Suchhaltung kann zu vielem führen, unter anderem auch zur Motivation, Widerstand zu leisten.

(Bericht von Christoph Kranich)

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18. September 2017  |  Unsere neuen Aufkleber, in A7 erhältlich. Oder zum Download A4 und A3 (pdf).

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